Der Fußballplatz des SV Reichelsheim wurde in eine
Rasentennis-Anlage aufbereitet

Projektübersicht
Bauherr und Betreiber: Tennisclub Horloff (TCH) Reichelsheim;
Bauplan/Rasenaufbereitung: TCH Reichelsheim e.V.; SV Reichelsheim 1920 e.V.; Rogmann, Landschafts-, Sport- und Golfplatzbau, 47825 Kevelaer-Wetten
Entwicklungsstand: 1998 wurde der Fußballplatz zum 4. Mal in eine Tennis-Turnieranlage umgewandelt.
Nutzungsspektrum: Fußball- und Rasentennis-Turniere.
Sportlich nutzbare Flächen: Vorübergehend vier Tennisfelder auf einer Hälfte des vorhandenen Fußballfeldes.
Finanzierung: Sponsorenmittel.

Heutzutage steht für beinahe jede Sportart eine eigene Spielstätte mit entsprechend hohem Aufwand an Pflege und Kosten zur Verfügung. Der Landessportbund Hessen (lsbh) zeigt diesbezüglich Alternativen auf indem er die multifunktionale Nutzung der sportlichen Einrichtungen auf kommunaler Ebene fördert. Gleichzeitig ist dies ein Beitrag zum schonenden Umgang mit den Ressourcen im Sinne der Agenda 21.

Ebenso wie Städte und Kommunen innerhalb ihrer bestehenden Ortsbereiche Wohnbebauungen nachverdichten, wird dies künftig auch im flächenintensiven Sportstättenbau von Bedeutung sein. Ein Beispiel hierfür ist das Projekt "Rasen-Tennis auf dem Fußballplatz", das u.a. in dem Buch "Zukunftsorientierte Sportstättenentwicklung" veröffentlicht wurde (herausgegeben vom Landessportbund Hessen in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Sportbund, erschienen im Mayer Verlag, Aachen). Besondere Beachtung verdient dabei die multifunktionale Nutzung des Fußballplatzes auch außerhalb der Fußballsaison. In der hessischen Wetterau wurde vor sechs Jahren ein erfolgreiches Partnerschaftsprojekt von Fußballverein und Tennisclub entwickelt, das bis heute in der zweimonatigen Sommerpause der Fußballer den Tennissportlern ein turniertaugliches Rasentennis ermöglicht. Vor dem Hintergrund der aktuellen Diskussion des Agendeprozesses setzt das Projekt aus verschiedener Sicht neue Maßstäbe. Entwickelt und in die Praxis umgesetzt wurde das Agenda 21 Projekt "Rasentennis auf Fußballplätzen" von K.H. Holler, Vorstand TCH-R und Unternehmer (Drehwerkzeugtechnik), H. Müntefering, DSV und
R. Turban, Vorstand TCH-R und HDLGN Friedberg.

Ausgangslage:
Die alljährlich durchgeführten Rasen-Tennis-Turniere des TCH Reichelsheim auf dem vorhandenen Vereinsgelände sind eine willkommene Gelegenheit, die regelmäßig notwendige Grundsanierung des Fußballrasens vorzunehmen. Der Rasen der Fußballfelder ist besonders in den Hauptspielzonen starken Druckbelastungen von bis zu ca. 60 kp/cm² ausgesetzt, die zu einer hohen Kompression des oberflächennahen Bodenraums führen. Oberflächennahe Verdichtungszonen dieser Art reduzieren das Wurzelwachstum auf einen eingeschränkten Bodenbereich. Damit ist die Wasser- und Nährstoffausnutzung stark eingeschränkt. Durch die Nährstoffauswaschung werden Nährstoffverluste verursacht, und im Frühjahr wird die Narbenregeneration verzögert und reduziert. Um die ohnehin jedes Jahr erforderliche Sanierung des Fußballrasens auch dem Tennissport zugute kommen zu lassen, wurde die Idee der Rasentennisturnier geboren, die zu Synergien zwischen den Vereinssportarten Fußball und Tennis geführt hat.

Gartenbautechnisches Konzept:
Die Umwandlung des Fußballplatzes in eine Tennisturnieranlage erfolgt jedes Jahr in folgenden Arbeitsschritten:

Zunächst wird auf dem Rasenfeld ein Kurzschnitt bis auf ca. 1 cm vorgenommen.

Durch diese Maßnahme können Unebenheiten auf der Rasenfläche besser erkannt werden. Anschließend erfolgt die Verteilung des 0,2 mm feinen Quarzsandes in einer Dicke von ca. 101 pro m².

Dadurch wird die Rasentragschicht vor allem an der Oberfläche und im oberflächennahen Bereich bezüglich Korngrössenverteilung und Gehalt an organischer Substanz funktionsfähig gehalten. Problemen wie Oberflächenverkrustung oder Schwammigkeit wird dadurch entgegen gewirkt.

Im zweiten Arbeitsschritt wird mit Hilfe eines Spezialgerätes ("Vertisol") die Oberschicht des Rasenbodens 3 bis 10 cm tief aufgelockert, ohne sie zu zerstören. Rotierende Messer durchschneiden hierbei den zu starken Rasenfilz, um gute Bedingungen für die Nachsaat, den Ebenflächigkeitsausgleich und das Wachstum des neuen Rasens zu schaffen.

Vor der Nachsaat müssen die Unebenheiten ausgeglichen werden. Um dies zu erreichen, wird die Fläche mit einer Spezialschleppe glattgezogen und der Sand in die vorher durch das Vertisol-Gerät vorbereiteten Bodenschlitze eingearbeitet.

Für die Nachsaat kommt eine Sämaschine zum Einsatz, die speziell für diesen Zweck konstruiert wurde. Mittels einer Walze werden "Taschen" in den Boden gedrückt und das Saatgut hineingestreut. Anschließend wird das Saatgut zugedeckt und angewalzt, um den Bodenschluss für die Saatkörner sicherzustellen.